QB01/2022 – Warum digitale KMU-Kredite ins Portfolio eines jeden institutionellen Anlegers gehören

Was kann der pfiffige Investor tun, um den Niedrigzinsen ein Schnippchen zu schlagen? Luca Frignani, CEO der Exaloan AG, und Lucas Freund, Capital Markets Manager bei der creditshelf AG, untersuchen, warum die Anlage in Unternehmenskredite über Kreditplattformen eine attraktive Alternative ist.

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld tun sich institutionelle Investoren schwer, Anlagemöglichkeiten mit hohen Spreads und kurzer Duration im traditionellen Kreditmarkt zu finden. Gleichzeitig sind auch die Entwicklungen am Aktienmarkt schwer zu antizipieren. In der Folge suchen Investoren nach alternativen Anlagemöglichkeiten, um ihre Ziele zu erreichen. Die Studie der creditshelf AG und der Exaloan AG „Small is beautiful: How Digital SME Lending adds value to an investor’s asset mix“ zeigt, dass die Finanzierung von KMU-Krediten als neuer Baustein eine sehr gute Beimischung im Portfolio sein kann.

Die rasante Entwicklung von Prozessdigitalisierung und -automatisierung ist einer der Haupttreiber für die Entstehung von Fintechs, welche die Kreditvergabe an Kreditnehmer, wie zum Beispiel kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), digitalisieren. Kreditplattformen nutzen die Vorteile fortschrittlicher Technologien, um Investoren und Kreditnehmer direkt zusammenzuführen und die Kreditvergabe somit zu optimieren. Die digitale Kreditvergabe an KMU beinhaltet die Digitalisierung der gesamten Prozesskette, die für die Vergabe eines Darlehens an einen Kreditnehmer durchlaufen wird. Das bedeutet, dass alle Schritte von der Antragsprüfung über das Underwriting bis zur endgültigen Auszahlung der Mittel automatisiert und digitalisiert werden können.

Digitale KMU Kredite: Eine neue Assetklasse

Aus Anlegersicht heißt das, dass sich der digitale Kreditmarkt zunehmend zu einer neuen Anlageklasse entwickelt, die einige spannende Eigenschaften besitzt. Diese ermöglichen es, die Rendite eines klassischen Investmentportfolios zu steigern und gleichzeitig den Anlagenmix zu diversifizieren.

Aber warum glauben wir, dass digitale Mittelstandskredite einen so wertvollen Beitrag liefern können?

Die von der creditshelf AG und der Exaloan AG durchgeführte Studie Small is beautiful: How Digital SME Lending adds value to an investor’s asset mix bringt drei wesentliche Erkenntnisse. Die digitale Kreditfinanzierung von KMU hat die folgenden Eigenschaften:

  • Anlageperformance mit aktienähnlichem Renditepotenzial;
  • hoher Value-Add im Asset-Mix durch geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen;
  • Investoren können neue Risikoprämien erschließen.

In den folgenden Abschnitten gehen wir näher darauf ein, wie wir im Rahmen der Studie zu diesen Erkenntnissen gelangt sind. Hierzu beginnen wir mit einer Portfoliosimulation. Wir definierten ein Anlageuniversum aus fünf gängigen Anlageklassen (Aktien, Immobilien, Unternehmensanleihen, Staatsanleihen und Private Equity) und konstruierten über 1 Million Portfolios mit unterschiedlichen Gewichtungen, einmal mit und einmal ohne digitale KMU-Kredite als sechste Anlageklasse. Anschließend zeichneten wir die annualisierte Rendite und das Risiko jedes Portfolios in einem Graphen auf, wodurch sich die Effizienzkurven für beide Anlageuniversen ergaben.

Ergänzung mit KMU-Krediten verbessert Portfolioeffizienz erheblich

Dies ist das Ergebnis:

Die zugrunde liegenden Zeitreihen basieren auf den monatlichen Renditen repräsentativer Indizes und Bankkreditdaten der EZB- für den Zeitraum 2011-2021. Wir sehen durch die Einfärbung der Sharpe Ratios der Portfolios, dass sich die Effizienzkurve mit der Ergänzung von KMU-Krediten im Portfolio deutlich verbessert. Diese Erkenntnisse werden durch unsere Renditeanalysen der monatlichen Zeitreihen (2011-2021) unterstützt:

Unsere Untersuchungen zeigen auch, dass die Rendite von KMU-Krediten im Vergleich zu Unternehmensanleihen erheblich höher (3,66 gegenüber 3,28 für die letzten 10 Jahre laut EZB-Daten) und die Volatilität gleichzeitig geringer ist (1,69 gegenüber 3,81). Dies führt zu einem attraktiven Risiko-Rendite-Verhältnis (Sharpe Ratio von 2,16 gegenüber 0,86).

Zum direkten Vergleich der Effizienzkurven dient die nachfolgende Abbildung:

Hier wird besonders deutlich, dass die Einbeziehung digitaler KMU-Kredite die Effizienzkurve eines Portfolios im Hinblick auf Volatilität und Rendite deutlich aufwertet. Zur Erklärung dieses Effekts ist es hilfreich, ein bestimmtes Phänomen zu beleuchten, das wir als „Komplexitätsprämie“ für digitale KMU-Kredite bezeichnen.

Digitale KMU-Kredite: Schwer zugänglich für Investoren?

Um die Komplexitätsprämie von digitalen KMU-Krediten näher zu erläutern, führen wir zunächst einige Begriffe ein.

Der Kreditspread ist das Ergebnis des Preisbildungsprozesses am Kapitalmarkt und spiegelt die Einschätzung der Marktteilnehmer über das Ausfallrisiko eines Kreditnehmers wider. Es handelt sich also um eine Risikoprämie, die für Kredite entsprechend ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit gezahlt werden muss. Bei der Preisfindung wird diese auf einen Referenzzinssatz aufgeschlagen. Zur Veranschaulichung dient die folgende Abbildung, in der wir die monatlichen Zinssätze für KMU-Darlehen mit dem 3-Jahres-Zinsswapsatz verglichen haben. Ein „Swap-Satz“ ist der feste Zinssatz, der über eine Laufzeit für den Tausch gegen einen variablen LIBOR-Satz gezahlt wird und dient als gängige Referenz für einen „risikolosen“ Zins.

Anhand dieser Abbildung wird deutlich, dass der Kreditspread von KMU-Krediten die Differenz zwischen der roten Kurve (Zinssatz von KMU Krediten) und der grünen Kurve (3-jähriger Zinsswap) ist.

In der folgenden Abbildung wir der Kreditspread für digitale KMU Kredite näher betrachtet:

Üblicherweise lässt sich die Zusammensetzung dieser Kreditspanne in drei wesentliche Faktoren aufteilen:

  • Kreditrisiko (blau);
  • Volatilitätsrisiko (grün);
  • Liquiditätsrisiko (orange).

In einem effizienten Markt sollte die Risikoprämie eines Kredits also fast vollständig durch Risiko-, Volatilitäts- und Liquiditätsfaktoren erklärbar sein. Wir sehen allerdings, dass diese drei Komponenten nur einen Bruchteil der Kreditspanne erklären, die wir für digitale KMU-Kredite ermittelt haben. Es wird also deutlich, dass die Risikoaufschläge in diesem Segment durch weitere Komponenten bestimmt werden, die wir als „Komplexitätsprämie“ (rot) bezeichnen.

Aber was bedeutet diese Prämie, und warum ist ihr Auftreten nicht überraschend?

Branchenstandards sind entscheidend für einen guten Marktzugang

Die starke Fragmentierung des Marktes für digitale KMU-Kredite und die Kleinteiligkeit der finanzierbaren Kredite bilden eine große Hürde, die den Zugang zu dieser Anlageklasse für viele institutionelle Anleger erschwert. Vor diesem Hintergrund ist auch das derzeitige Fehlen von flächendeckenden und wirksamen Branchenstandards als Hürde besonders hervorzuheben. Dies gilt vor allem in Hinsicht auf die Kreditbewertungsansätze der jeweiligen Kreditplattformen, den Offenlegungspflichten gegenüber Investoren und der Bereitstellung eines transparenten und effizienten Marktes mit vertrauenswürdiger Rendite zu Risiko Relation. Eine Etablierung solcher Branchenstandards, wie in etwa vom Verband Deutscher Kreditplattformen (VdK) bereits mit großem Erfolg angestrebt, ist damit neben dem technologischen Faktor der zentrale regulatorische Baustein für ein transparentes, attraktives und wachstumsfähiges Marktumfeld für digitale KMU-Kredite. Neben dem genannten regulatorischen Baustein erfordert die Umsetzung skalierbarer Investitionsprozesse natürlich aber auch innovative Technologie. Diese beiden Aspekte erklären daher unsere Interpretation der Komplexitätsprämie in den Kreditspreads.

Durch Plattformen, die die notwendige technologische Infrastruktur bereitstellen, um die Risiken digitaler Mittelstandskredite angemessen zu bewerten und die Finanzierung zugänglich zu machen, können Anleger die Komplexitätsprämie erschließen, ohne die Technologie selbst entwickeln zu müssen. Um unsere Renditeanalyse für KMU-Kredite zu validieren, zogen wir die Daten des creditshelf loan fund SICAV-RAIF heran. Gleichzeitig unterzogen wir das Kreditportfolio einer Sensitivitätsanalyse, um Veränderungen in der Ausfallrate (Spalten) und Verwertungsrate (Zeilen) auf die erzielbare Rendite für Anleger zu untersuchen.

 

Die Analyse zeigt, dass der Fonds im ungünstigsten Fall unserer Betrachtung (2,5 % Ausfallquote und nur 20 % Rückgewinnung der Ausfälle) immer noch eine Nettorendite von etwa 4,8 % erzielen kann.

Ausblick

In Summe ergibt sich das folgende Bild:

  • Es zeigt sich, dass die Anlageklasse „Digitale KMU-Kredite“ die Effizienzkurve eines Portfolios in Bezug auf Volatilität und Rendite deutlich aufwerten kann.
  • Klassische Faktoren wie Liquidität, Volatilität und Kreditrisiko erklären nur einen Bruchteil der Risikoprämie für Mittelstandskredite, der Rest ist als „Komplexitätsprämie“ interpretierbar.
  • Die Komplexitätsprämie digitaler KMU-Kredite kann von Anlegern erschlossen werden, ohne dass sie die Technologie selbst entwickeln müssen, indem sie mit Kreditplattformen und Dienstleistern zusammenarbeiten
  • Das Erreichen von Marktstandards kann als zentraler Baustein für einen wachstumsfähigen Markt für digitale KMU-Kredite angesehen werden.

Unsere Studie lässt daher den Schluss zu, dass die Finanzierung digitaler KMU-Kredite für institutionelle Anleger eine hervorragende Möglichkeit ist, das Investmentportfolio breiter zu diversifizieren, neue Risikoprämien zu vereinnahmen und somit gleichzeitig alternative Renditequellen zu erschließen, um ihre Anlageziele zu erreichen.

Den vollständigen Fachartikel als PDF in Deutsch finden Sie hier und in Englisch hier.

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