QB 02/2020 – Digitalisierung der Kommunalfinanzierung

Für viele Kommunen ist der Gang zur Hausbank nicht mehr die attraktivste Option, um Kredite aufzunehmen. Heute nutzen sie Plattformen im Internet, um den idealen Finanzpartner zu finden. Von Fabian Haag.

Von Fabian Haag, Marketing & Communications bei der Loanboox GmbH.

Im Firmenkunden-Geschäft fasst die Plattformökonomie seit einigen Jahren zunehmend Fuß. Der Mehrwert der Plattformnutzung zeigt sich insbesondere bei Produkten mit hohem Standardisierungsgrad. Das wird am Beispiel von Kreditmarktplätzen deutlich, die sich auf die Assetklasse der Kommunalkredite spezialisiert haben. Die Kommunalfinanzierung eignet sich grundsätzlich sehr gut für Plattformen, weil die Finanzierungen wenig komplex sind, die Kommunen ohnehin unter zahlreichen Anbietern ausschreiben und verpflichtet sind, den wirtschaftlichsten Anbieter auszuwählen.

Bislang erfolgt die kommunale Finanzbeschaffung vielfach noch per Fax oder über E-Mail-Verteiler. Dazu erstellen die Mitarbeiter in den Kommunen eine Definition des Finanzbedarfs. Die Anfragen für entsprechende Finanzierungen werden dann den jeweilig bekannten Kreditgebern vorgetragen. In der Regel handelt es sich dabei um regional ansässige Banken. Viele Kommunen arbeiten zusätzlich mit Maklern zusammen, die das kommunale Finanzierungsgesuch einem breiteren Umfeld bekannt machen, allerdings ohne vorab einen Standard oder irgendwelche Margenvereinbarungen festzuhalten. Das erschwert zum einen eine objektive Bewertung der Finanzierungskonditionen, da die Interessen Dritter ein Kreditangebot beeinflussen können. Zudem haben die Finanzverantwortlichen in den Kommunen oft Mühe, die zu verschiedenen Zeiten eingehenden Angebote über unterschiedliche Laufzeiten, Zinsbindungen und Tilgungsstrukturen zu vergleichen.

 

Abbildung: in Anlehnung an Bertelsmann Stiftung, Kommunaler Finanzreport 2019

Plattformen bringen Kreditnehmer und Kreditgeber zusammen

An diesen Punkten knüpfen auf die Kommunalfinanzierung spezialisierte Fintechs wie Capveriant, CommneX, Komuno oder Loanboox an. Derartige Plattformen verbinden Einrichtungen der Öffentlichen Hand mit Investoren und fungieren als „Matchmaker“. Die teilnehmenden Parteien können auf der Plattform ohne Zwischenhändler verhandeln und Kredittransaktionen vollständig digital abschließen. Dadurch minimiert sich der Aufwand für Kreditnehmer und Kreditgeber. Statt beispielsweise mehrere Banken einzeln anzuschreiben und sich Angebote einzuholen, können die Gläubiger ihre Finanzierung auf der Plattform an eine Vielzahl von registrierten, bundesweit aktiven Investoren richten und ihren Kreditgeberkreis somit signifikant vergrößern. Durch die Ansprache möglichst vieler Anbieter wird der Grundgedanke des Vergaberechts für ein bestmögliches Angebot aufgegriffen. Auch der Deutsche Städtetag empfiehlt in seiner Muster-Dienstanweisung für den Abschluss und die Abwicklung von Finanzgeschäften, dass für Kommunalkredite ein Angebot von mindestens fünf Finanzdienstleistern einzuholen sei.* Will man den Kreis der Kreditgeber hingegen – aus welchen Gründen auch immer – einschränken, lässt sich eine Finanzierungsanfrage auch auf einen selbstdefinierten Kreis reduzieren.

Banken, Versicherungen und Asset Manager, die auf den Plattformen als Investoren auftreten, erhalten Zugriff zu neuen Kunden und werden entsprechend ihren Filterkriterien über Darlehensausschreibungen informiert. Während der Ausschreibungsphase können sie Angebote abgeben und direkt online mit dem Kreditnehmer kommunizieren.  Ebenso bieten einige Plattformen auch die Möglichkeit der umgekehrten Liquiditätsbereitstellung an.  Während im ursprünglichen Prozess der Kreditnehmer seine Erwartungen an Volumen und Laufzeiten im Rahmen einer Finanzierungsanfrage einstellt, ist es bei derartigen Produkten der Kapitalgeber, der seine Präferenzen proaktiv festlegt. Das bringt Vorteile für alle Beteiligten mit sich. Investoren steht ein effizientes Instrument für ihre Liquiditäts- und Limitsteuerung zur Verfügung. Durch die prozessuale Vereinfachung kann auch ein häufig als margenschwaches Finanzierungssegment mit wenigen Ressourcen erfolgreich und kostengünstig begleitet werden. Kreditnehmer auf der anderen Seite erhalten tagesaktuelle Angebote für kurzfristige Kredite und können Darlehen quasi auf „Knopfdruck“ digital abschließen.

 

Abbildung: in Anlehnung an Bertelsmann Stiftung, Kommunaler Finanzreport 2019

Erfolgsfaktoren von Kommunalfinanzierungsplattformen

Kommunalfinanzierungsplattformen leben von Netzwerkeffekten. Je mehr Nachfrager die Plattform nutzen, umso mehr Anbieter werden auch auf der Plattform vertreten sein. Ein Beispiel: Kreditsuchende Kommunen wollen eine Online-Plattform, auf der sie nach Möglichkeit eine Vielzahl unterschiedlicher Kapitalgeber ansprechen können und nicht nur einige ausgewählte Kreditinstitute. Im Umkehrschluss bedeutet das: Eine Plattform kann – gemäß dem Prinzip „The winner takes it all“ – nur dann langfristig effizient und erfolgreich sein, wenn sich ein Großteil des Marktes auf ihr versammelt. Sprich, die Chancen auf ein vielfältiges Investoreninteresse steuert letztendlich auch die Nachfrage der kommunalen Nutzer.

Ein wichtiges Kriterium für die Attraktivität einer Plattform ist neben einer erfolgreichen Abschlussquote auch eine gute Differenzierung der Investoren. So sollte das Angebot weit über das übliche Angebot der lokalen Sparkasse hinausgehen und den Zugang möglichst zu einem vielfältigen Investorenmarkt (Banken, Pfandbriefbanken, Förderbanken, Versicherungen und z.B. internationalen Investoren) erschließen.

* Deutscher Städtetag, Muster-Dienstanweisung für den Abschluss und die Abwicklung von Finanzgeschäften (DA Finanzgeschäfte), Stand 2015.

 

Den vollständigen Fachartikel als PDF finden Sie hier.

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